Capoeira Stile

Man unterscheidet heute zwischen zwei Hauptformen der Capoeira:
Capoeira Regional und Capoeira Angola.

Die Capoeira Regional

ist die jüngere der beiden Formen und wurde in den 1930er Jahren von Mestre Bimba entwickelt. Er wollte aus der Capoeira eine moderne, anerkannte Kampfkunst machen und ließ z.B. Elemente von Jiu-Jitsu einfließen und entwarf systematische Unterrichtsmethoden. Den neuen Kampfstil nannte er „Luta Regional Baiana“ (Regionale Kampfkunst aus Bahia), woraus sich die Bezeichnung Capoeira Regional ableitet. Das Spiel in der Capoeira Regional ist schneller und athletischer als in der Angola.

Typisch sind hohe, direkte Tritte und akrobatische Einlagen. Tritte, teilweise auch Schläge, werden effektiver ausgeführt als in der Angola und dürfen den Partner auch treffen. Ebenso darf der Partner umgeworfen werden, z.B. durch Würfe (Banda, Vingativa) oder Fußfeger (Rasteira).

Der Rhythmus (Toque)  einer Regional-Roda wird schneller und lauter gespielt, der Gesang ist chor-betont. Ein typischer Toque der Capoeira Regional ist Sao Bento Grande, mit hohen Tritten, schnellen Bewegungen und effektiven Angriffen. Eine Variante ist Sao Bento Medio, das etwas langsamer und kontrollierter gespielt wird, mit Betonung einer flüssigen und runden Spielweise.

Die Capoeira Angola

ist die traditionellere Form der Capoeira. Die Spieler in der Roda machen dabei meist sehr langsame, scheinbar unkoordinierte Bewegungen. Aus diesen Bewegungen heraus werden dann aber blitzartige Angriffe gestartet. Ein Angola Spiel wird meist auf dem Boden gespielt und ist eher langsam und theatralisch als auf direkte Angriffe gerichtet. Insgesamt steckt mehr Show und mehr Humor in der Angola, im Vergleich zur Capoeira Regional.

Angola gilt trotz seines langsamen Tempos als das gefährlichste Capoeira-Spiel (aufgrund der Täuschungen und überraschenden Angriffe). Beim Angola-Toque wird nicht geklatscht, der Gesang hat oft lange, getragene Strophen. Aus dem Angola Spiel wurde eine etwas schnellere und flüssigere Variante, Benguela genannt, abgeleitet. Der Stil der Angola wurde entscheidend von Mestre Pastinha geprägt, der sich auf die afrikanischen Ursprünge der Capoeira-Techniken konzentrierte und im Gegensatz zur Capoeira Regional keine Einflüsse anderer Kampfsportarten einfließen lassen wollte.

Der Name „Angola“ entstand dadurch, dass Angola in Brasilien oft als Synonym für die afrikanische Herkunft der schwarzen Brasilianer gebraucht wurde.

Optisch erkennt man den Unterschied zwischen den beiden Capoeira-Stilen daran, dass in der Capoeira Regional komplett weiße Kleidung getragen wird, während in der Angola eine schwarze Hose und ein gelbes T-Shirt Standard sind. Die Farben gehen auf den Lieblings-Fussballclub von Mestre Pastinha zurück. Zudem werden in der Angola meistens Schuhe getragen – in Rodas in Bahia teilweise sogar Anzüge.